Wim Wenders Filme

Geburtsname: Wilhelm Ernst Wenders 
Geburtstag: 14. August 1945 in Düsseldorf, Deutschland
Wichtigste Auszeichnungen: 1 Goldener Ehrenbär, 1 BAFTA, 1 Goldene Palme, 3 Oscar-Nominierungen

Mini-Biographie:

Wim Wenders ist ein deutscher Regisseur, Drehbuchautor, Fotograf und lehrender Professor für Film. Er gilt als einer der Mitbegründer des Neuen Deutschen Films Anfang der 1970er und prägte neben der deutschen zusätzlich auch die internationale Filmlandschaft mit oft sehr ungewöhnlichen und künstlerisch wertvollen Independent-Filmen. Zu seinen populärsten Werken zählen Paris, Texas sowie Der Himmel über Berlin. In Dokumentarfilmen wie Buena Vista Social Club, Viel passiert - Der BAP Film sowie Pina zeigt Wim Wenders außerdem seine Liebe zur Musik, ohne die er heute vielleicht Priester wäre, und kein Filmemacher. Im Februar 2015 erhält Wim Wenders bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin den Goldenen Ehrenbär für sein künstlerisches Schaffen.

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Die besten Zitate von Wim Wenders

"Ohne die Songs von Bob Dylan hätte ich nie die Courage aufgebracht, oder den Größenwahn, Filme zu machen."
Und statt Regisseur wäre Wim Wenders dann wahrscheinlich Priester geworden - an dieser Stelle also ein herzliches Dankeschön an Bob Dylan.

"Es gibt doch nichts anderes, wofür es sich zu leben lohnt, als die Liebe."
Wim Wenders philosophiert über die Liebe, und hier will ihm bestimmt niemand widersprechen.

"Träumen ist wie ein Batterieaufladen fürs Wachleben."
Und so wie manche Filme von Wim Wenders aussehen, lässt er sich in seinen Träumen auch kräftig inspirieren...

"Ich erwarte vom Kino, allen Ernstes, dass es in Zukunft all das leistet, was das Theater z.B. nicht mehr kann, was die Literatur nicht mehr schafft: das Erzählen unserer Menschheitsgeschichte."
Ob das Kino die Erwartungen von Wim Wenders erfüllen kann, wird die Zeit zeigen.

"Kino sieht heute aus wie Fernsehen. Dem Kino ist die Tugend abhandengekommen, Geschichten zu erzählen. Es tut nur noch so."
Wim Wenders, der Meister der Bildsprache, hadert etwas mit der Erzählkunst heutiger Filmemacher.

Wichtigste Auszeichnungen:

2015: Goldener Ehrenbär, einen César sowie eine Oscar-Nominierung für den Besten Dokumentarfilm für Das Salz der Erde, Verdienstorden des Landes Berlin
2012: Bayerischer Filmpreis - Ehrenpreis des Ministerpräsidenten, eine Oscar-Nominierung für den Besten Dokumentarfilm für Pina
2011: Deutscher Dokumentarfilmpreis sowie Deutscher Filmpreis (Kategorie Bester Dokumentarfilm) für Pina
2010: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin
2006: Bundesverdienstkreuz (Großes Verdienstkreuz mit Stern)
2005: Pour le mérite (Preußischer Verdienstorden) für Wissenschaft und Künste
2004: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
2000: Goldene Kamera (Kategorie Bester nationaler Film) und eine Oscar-Nominierung für den Besten Dokumentarfilm für Buena Vista Social Club; Silberner Bär auf der Berlinale für The Million Dollar Hotel
1999: Europäischer Filmpreis in der Kategorie Bester Dokumentarfilm für Buena Vista Social Club
1998: Filmband in Gold als Bester Regisseur für Am Ende der Gewalt
1994: Bayerischer Filmpreis als Bester Regisseur für In weiter Ferne, so nah!
1993: Großer Preis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für In weiter Ferne, so nah!
1988: Filmband in Gold als Bester Produzent sowie der Europäischer Filmpreis als Bester Regisseur für Der Himmel über Berlin
1987: Award als Bester Regisseur bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für Der Himmel über Berlin
1985: Ein British Academy Film Award (BAFTA) als Bester Regisseur für Paris, Texas
1984: Goldene Palme auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für Paris, Texas
1983: Filmband in Gold für die Beste Kamera für Der Stand der Dinge
1982: Goldener Löwe auf den Filmfestspielen von Venedig als Bester Regisseur für Der Stand der Dinge
1978: Filmband in Gold als Bester Regisseur für Der amerikanische Freund
1975: Filmband in Gold als Bester Regisseur für Falsche Bewegung

Wim Wenders Biographie

Gerade mal ein gutes Vierteljahr ist der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende, da wird der Junge Wilhelm Ernst Wenders am 14. August 1945 in Düsseldorf in eine erzkonservative katholische Familie hineingeboren. Mutter Donata will ihrem Sohn eigentlich den holländischen Namen Wim verpassen, doch die deutschen Behörden lehnen diesen Namen ab - so viel Bürokratie musste wohl selbst in den Trümmern und Schutthaufen des Zweiten Weltkriegs noch sein... Die beste Methode gegen so viel Amtssturheit: man wird einfach Künstler und sucht sich seinen (Künstler)-Namen einfach selber aus - so wie es Wim Wenders tut. Doch bevor Wim Wenders endlich zum Film kommt, setzt sich noch viel Amtsschimmel in den Behördenräumen an. Zunächst plant der Sohn des angesehenen Chirurgen Heinrich Wenders eigentlich Priester zu werden. Doch seine Liebe zu dieser neumodischen lauten aggressiven Musik namens Rock and Roll lässt sich in der deutschen Wirtschaftswunderzeit und seiner spießigen Weltanschauung zwischen VW-Käfer und Nierentisch nicht mit Religion in Einklang bringen. So versucht Wim Wenders 1963 nach seinem Abitur, den Spuren seines Vaters zu folgen und studiert in München zwei Semester lang Medizin. Danach versuchte er sich noch für ein Semester im Fach Philosophie an der Universität Freiburg und rundet seine Studentenzeit ab mit einem Semester im Soziologie-Studium in Düsseldorf. Doch berufen fühlt sich Wim Wenders von keinem der drei Themengebiete, so dass er alle Studien an den Nagel hängt und sich der Aquarellmalerei widmet. Aber auch der geschwungene Pinsel zeichnet seinen Lebensweg nur kurze Zeit mit auf, Wim Wenders hat bald eine neue Idee: er will zum Film.

Aller Anfang ist schwer: die ersten Schritte von Wim Wenders beim Film

Für seine filmische Ausbildung sucht sich Wim Wenders anno 1966 die französische Filmhochschule Institut des Hautes Études Cinématographiques" (IDHEC) in Paris aus, doch die französische Bildungsstätte lehnt den deutschen Kino-Azubi ab. Entmutigen lässt sich der Filmfreund aber nicht. Er geht in eine Art Selbststudium, verbringt ab sofort jede freie Stunde am französischen Filminstitut in Paris und schaut dort angeblich um die 1.000 Filme an. Nebenbei arbeitet er als Radierer in einem Kunstatelier, um finanziell über die Runden zu kommen. Irgendwann hat Wim Wenders dann genug gesehen und er geht zurück in seine Heimatstadt Düsseldorf, wo ihm die Filmgesellschaft United Artists ein dreimonatiges Praktikum ermöglicht. Obwohl United Artist zu jener Zeit schon für Filmklassiker wie Zwölf Uhr mittags (1952; mit Gary Cooper und Grace Kelly), Die glorreichen Sieben (1960; mit Yul Brynner, Steve McQueen und Horst Buchholz), Gesprengte Ketten (1963; mit Steve McQueen, James Garner und Donald Pleasence), James Bond 007 - Goldfinger (1964; mit Sean Connery, Gert Fröbe und Honor Blackman) und viele mehr steht, findet Wim Wenders an diesem Filmunternehmen und deren Philosophie für die filmische Kunst keinen Gefallen, er wechselt stattdessen 1967 an die neue Hochschule für Fernsehen und Film in München. Nebenbrei schreibt er für zahlreiche Publikationen Filmkritiken, bis er 1970 seinen ersten eigenen Film Summer in the City als Abschlussarbeit für sein Studium dreht.

Schon ein Jahr später gründet Wim Wenders mit weiteren Autorenfilmern des Neuen Deutschen Films die Filmgesellschaft Filmverlag der Autoren". Der Neue Deutsche Film läutet quasi die Wiederkehr der deutschen Filmkunst ein, die durch die Heimatfilme und Schlagerkomödien nach dem Zweiten Weltkrieg vollends zu versiegen drohte. Wim Wenders dreht als Mitglied im Filmverlag der Autoren" unter anderem der Thriller Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1972; mit Arthur Brauss, Kai Fischer und Erika Pluhar), das Drama Der scharlachrote Buchstabe (1972; mit Senta Berger, Hans-Christian Blech und Lou Castel), das Roadmovie Alice in den Städten (1974; mit Yella Rottländer, Rüdiger Vogler und Lisa Kreuzer) oder den Krimi Der amerikanische Freund (1977; mit Bruno Ganz, Dennis Hopper und Lisa Kreuzer) - letztgenannter Kriminalfilm ist gleichzeitig ein Achtungserfolg in den USA. Mit dem Rückenwind seiner jüngsten Erfolge gründet Wim Wenders schließlich eine eigene Produktionsfirma namens Road Movies Filmproduktion".

Sogar Hollywood fragt 1977 in Form des Star-Regisseurs Francis Ford Coppola (Der Pate I - III, Apocalypse Now) bei Wim Wenders an, ob er nicht Lust hätte einen Krimi fürs US-Kino zu drehen - und Wenders hat Lust darauf! Allerdings vergeht sie ihm auch bald wieder. Zunächst sichert Francis Ford Coppola als ausführender Produzent seinem Regisseur Wim Wenders alle künstlerische Freiheiten für den Film Hammett (1982; mit Frederic Forrest und Peter Boyle) zu. Doch Wenders Ideen mit schwarz-weiß-Optik, Film-noir-Style und europäischen Schauspielern sind den Produzenten und Geldgebern doch etwas zu frei, so dass neben Wechseln im Stab und Cast auch das Drehbuch komplett umgeschrieben wird und der Film insgesamt vier Jahre Produktionszeit verschlingt. Am Ende sind weder Wim Wenders noch Kritiker und Zuschauer überzeugt von dem Thriller. Der deutsche Regisseur verarbeitet seinen Frust während der Hollywood-Produktion in dem Film Der Stand der Dinge (1982; mit Patrick Bauchau und Rebecca Pauly), in dem es um einen Regisseur geht, dessen Produzenten ihn in Stich lassen - jener Film ist natürlich in schwarz-weiß gedreht und erhält zahlreiche Preise wie etwa den Goldenen Löwen in Venedig. Wenders kleiner Film über die Produktion eines großen Films ist somit erfolgreicher als der als Blockbuster konzipierte Thriller Hammett.

„Paris, Texas“ und „Der Himmel über Berlin“ - Wim Wenders mutiert zum Star-Regisseur

Das Roadmovie Paris, Texas (1984; mit Harry Dean Stanton, Nastassja Kinski und Dean Stockwell) gehört mit zu Wim Wenders populärsten Filmen, doch auch hier gibt es im Vorfeld ein paar Steine aus dem Feld zu räumen, bevor das Drama nach Fertigstellung in die deutschen Kinos gelangen kann. Denn der Filmverleih Filmverlag der Autoren, den Wim Wenders ja einst selbst mitgründete, will lediglich 40 Kopien an die deutschen Kinos verteilen. Wim Wenders hingegen, der überzeugt von der Zugkraft seines Streifens an den Kinokassen ist, verlangt wenigstens 80 Kopien. Nach einem monatelangen Ringen einigen sich die beiden Parteien schließlich auf einen Kompromiss und der Streifen Paris, Texas kommt anstatt September 1984 erst im Januar 1985 in die Lichtspielhäuser, lockt aber dennoch - oder gerade deswegen - weit über eine Million Zuschauer in die Kinos.

Mit seinem Engels-Drama Der Himmel über Berlin (1987) liefert Wim Wenders dann sein absolutes Meisterwerk ab. Mit deutschen wie internationalen Top-Stars wie Bruno Ganz (Der Untergang, Der Vorleser), Otto Sander (Das Boot, Comedian Harmonists) und Columbo-Darsteller Peter Falk (Eine Leiche zum Dessert, Die unteren Zehntausend) philosophiert der Filmemacher über Lust und Frust am irdischen Leben in der damals noch zweigeteilten Stadt Berlin.

Angespornt durch seine Kassenschlager Paris, Texas und Der Himmel über Berlin wagt Wim Wenders mit dem Science-Fiction-Drama Bis ans Ende der Welt (1991) ein besonders ehrgeiziges Projekt mit aufwendigen Dreharbeiten auf vier Kontinenten und einer grandiosen Starbesetzung wie Oscar-Preisträger William Hurt (Kuß der Spinnenfrau, Die Reisen des Mr. Leary), Sam Neill (Jurassic Park, Das Piano), Max von Sydow (Minority Report, James Bond 007 - Sag niemals nie) und Solveig Dommartin (Der Himmel über Berlin, In weiter Ferne, so nah!). Allerdings muss Wim Wenders sein fast fünf Stunden andauerndes Epos fürs Kino auf drei Stunden zusammenschneiden - ein Vorgang, den jeder Künstler zutiefst verabscheut. Mittlerweile gibt es den Director's Cut von Bis ans Ende der Welt in voller Länge auf DVD und genießt bei seinen Fans Kultstatus. Im Kinojahr 1991 jedoch gilt das Werk - vor allem gemessen an dem betriebenen Produktions-Aufwand und den vorhergehenden Erfolgen Wenders - als Flop.

Um bald wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren, geht Wim Wenders auf Nummer sicher und produziert von seinem Kassenschlager Der Himmel über Berlin eine Fortsetzung mit dem Titel In weiter Ferne, so nah!. Mit dabei ist wieder die gesamte Stammbesetzung des Vorläufers, also Bruno Ganz (The Counselor, Der Baader Meinhof Komplex), Otto Sander (Die Blechtrommel, Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders), Peter Falk (TV-Serie Columbo, Das große Rennen rund um die Welt) und Solveig Dommartin (Der Himmel über Berlin, Bis ans Ende der Welt). Neu dazu kommen Stars wie Nastassja Kinski (Katzenmenschen, One Night Stand), Rüdiger Vogler (Saphirblau, Rubinrot), Willem Dafoe (Filmreihe Spider-Man, Grand Budapest Hotel), Horst Buchholz (Eins, Zwei, Drei; Die glorreichen Sieben) sowie mit 91 Jahren in seiner letzten Rolle die deutsche Filmlegende Heinz Rühmann (Die Feuerzangenbowle, Es geschah am hellichten Tag). Darüber hinaus bekommt das Kinopublikum noch den ehemaligen sowjetischen Glasnost-Staatspräsidenten Michail Gorbatschow und Rock-Legende Lou Reed als jeweils sich selbst zu sehen, auf die Ohren gibt es mitunter Musik von U2 und Nick Cave. So eine prominente Mischung in nur einem einzigen Filmprojekt ist zum Erfolg verdammt - und den Erfolg erntet Wim Wenders auch, wenngleich dieser in dem Film In weiter Ferne, so nah! nicht an den Vorgänger Der Himmel über Berlin heranreicht.

In den Folgejahren der 1990er dreht Wim Wenders fleißig weiter. Es entstehen Werke wie der filmische Portugal-Reiseführer Lisbon Story (1994; mit Rüdiger Vogler und Patrick Bauchau), Die Gebrüder Skladanowsky (1995; mit Udo Kier, Otto Kuhnle und Rüdiger Vogler) als eine Biographie über die beiden Bewegtbild-Pioniere oder den Entführungsthriller Am Ende der Gewalt (1997; mit Bill Pullman, Andie MacDowell und Gabriel Byrne). Wie üblich bei Wim Wenders finden auch diese Filme meist hohen Zuspruch bei Kritikern und Jury-Vorsitzenden, die ganz großen Publikumserfolge bleiben jedoch erst einmal aus. Auch der im neuen Jahrtausend entstandene Thriller The Million Dollar Hotel nach einer Idee von U2-Sänger Bono und besetzt mit hochkarätigen Stars wie Mel Gibson (Filmreihe Lethal Weapon, Braveheart), Milla Jovovich (Filmreihe Resident Evil, Die drei Musketiere) und Jeremy Davies (TV-Serie Lost, Der Soldat James Ryan) bleibt bei Kritikern umstritten und an den Kinokassen weit hinter den Erwartungen zurück.

Film-Dokumentationen - Wim Wenders wahre Berufung

Mehr Glück, Anerkennung und Erfolg erhält Wim Wenders mit seiner Reihe an musikalischen Dokumentarfilmen. Vor allem der 1999 entstandene Filmbericht Buena Vista Social Club (mit Ry Cooder und Juan de Marcos González) über das kubanische Musikprojekt beschert dem deutschen Regisseur sowohl die Gunst beim Publikum als auch von zahlreichen Award-Jurys, unter anderem wird Buena Vista Social Club sogar für einen Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert. Der Streifen Viel passiert - Der BAP Film (2002; mit Marie Bäumer, Joachim Król und Wolfgang Niedecken) lebt mitunter von der großen Popularität der Kölner Formation Bap (Verdamp lang her, Ahnunfuersich, Fortsetzung folgt...) als einer der besten deutschen Rock-Bands. Und in der siebenteiligen Doku The Blues von Produzent Martin Scorsese (The Wolf of Wall Street, Gangs of New York) übernimmt Wim Wenders als Regisseur Teil 2 mit dem Titel The Soul of a Man (2003; mit Skip James, Blind Willie Johnson und J. B. Lenoir). Mit der Dramedy Don't Come Knocking (2005; mit Sam Shepard, Jessica Lange und Tim Roth) über einen alternden Western-Filmstar erntet Wim Wenders auch wieder mit einem Spielfilm durchweg erstklassige Kritiken. Leider nimmt das Kinopublikum den Film kaum wahr und lässt ihn kurzerhand abblitzen. Alles was am Ende herausspringt ist 2005 der Europäische Filmpreis für die Beste Kamera und über 10 Millionen Dollar Verlust.

Sein nächstes Werk Palermo Shooting (2008; mit Dennis Hopper, Milla Jovovich und Giovanna Mezzogiorno) widmet Wim Wenders seinen beiden Regisseurs-Vorbildern Ingmar Bergman (Szenen einer Ehe, Das siebente Siegel) und Michelangelo Antonioni (Jenseits der Wolken, Blow Up) sowie der Rock-Musik. Außerdem dreht er erstmals große Teile des Filmes in seiner Heimatstadt Düsseldorf. Aus jener Rhein-Metropole stammt auch Campino, Frontmann der Punkrock-Band Die Toten Hosen (Tage wie diese, Altes Fieber, Hier kommt Alex) und Hauptdarsteller in Palermo Shooting. Wenders und Campino (Filme: Langer Samstag, Verlierer) lernten sich kurz vorher bei einem Musikvideo-Dreh zu Warum werde ich nicht satt" kennen und schätzen, so dass Wim Wenders von Anfang an Campino für die Hauptrolle eines Star-Fotografen vorsah, der auf dem Zenit seines Erfolgs beginnt über Leben und Tod zu philosophieren. Die Musik ist dann auch das, was bei Kritikern am besten ankommt, während die Dialoge eher polarisieren.

Weniger gesprochen und dafür mehr getanzt werden soll eigentlich in einem geplanten Tanzfilm mit der deutschen Star-Tänzerin und Choreografin Pina Bausch. Doch die Gallionsfigur des Tanztheaters Wuppertal stirbt kurz vor Drehbeginn am 30. Juni 2009 an Lungenkrebs - die Diagnose zu der Krankheit wurde erst fünf Tage vor ihrem Tod gestellt. Wim Wenders dreht die Tanzdokumentation unter dem Titel Pina (2011) trotzdem, nur ist es nun eben kein Film mit sondern über Pina Bausch. Getanzt wird trotzdem, teils in Rückblenden, teils durch Pinas Tanz-Ensemble. Wim Wenders dreht hier erstmals einen seiner Filme in 3D-Technik, weil er den Tanzszenen die nötige Räumlichkeit auf der Leinwand geben will. Ein Experiment, welches vollends glückt. Mit Pina setzt Wim Wenders der Tänzerin Pina Bausch ein würdiges filmisches Denkmal, welches Kritiker auch mit Begeisterung als solches annehmen. Die 3D-Doku Pina gewinnt entsprechend viele Preise, etwa den Deutschen Filmpreis 2011, den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2011 sowie eine Oscar-Nominierung als Bester Dokumentarfilm.

Fast könnte man meinen, dass Wim Wenders als Regisseur emotionaler Dokumentationen am meisten von Kritikern und Publikum geschätzt wird - und Wenders selbst glaubt dies vielleicht ebenfalls, denn 2014 veröffentlicht er seinen nächsten Dokumentarfilm Das Salz der Erde, worin er das Leben und die Arbeiten des brasilianischen Fotografen und Reporters Sebastião Salgado verewigt. Sebastião Salgado fotografierte an all den dramatischen Schauplätzen unserer Welt, wo Schweiß, Blut und Tränen zu Hauf flossen - solange, bis er fast selbst daran zerbrach. Wim Wenders hält sein Schaffen nun in der Doku Das Salz der Erde für die Nachwelt fest und darf sich im Jahre 2015 prompt über eine neuerliche Oscar-Nominierung für den Besten Dokumentarfilm freuen. Erst 2015 wagt sich Wim Wenders wieder einmal an einen abendfüllenden Spielfilm – den ersten seit Palermo Shooting aus dem Jahre 2008. Das schwermütige 3D-Drama trägt den Titel Every Thing Will Be Fine, glänzt mit den Stars James Franco (Filmreihe Spider-Man, Die fantastische Welt von Oz), Charlotte Gainsbourg (Nymphomaniac, Independence Day: Wiederkehr) sowie Rachel McAdams (TV-Serie True Detective, Spotlight) und ist in seiner ganzen Machart wieder mal ein echter Wenders.

Bei Spielfilmen sind sich Kinofreunde nicht immer einig, ob der Stil von Wim Wenders nun künstlerisch besonders wertvoll und genial erscheint oder ob er sich manchmal nicht doch in Langatmigkeit und zu verworrenen Handlungssträngen verheddert. Was Wim Wenders jedoch abseits jeglicher Plots und Film-Genres auszeichnet, ist seine unnachahmliche intensive Bildsprache, mit der er Zuschauer stets in seinen Bann zieht und fesselt - egal ob in Spielfilmen oder in Dokumentationen. Das mag daran liegen, dass der deutsche Star-Regisseur ebenso Fotograf wie Filmemacher ist und sich damit seine Bildsprachen wie kaum ein Zweiter perfekt zu Nutze machen kann. Gerade deshalb kommt die Ehrung am 12. Februar 2015 auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin mit dem Goldenen Ehrenbär keinen Tag zu früh. Als Begründung für die Auszeichnung führt die Jury lobend sein genreübergreifendes und vielseitiges Werk als Filmemacher, Fotograf und Autor" an - und das völlig zu Recht!

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